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Die Grundsihtation des Erzählens ist: Ein Ezähler ezählt seinen Zuhörern etwas, was geschehen ist oder geschehen sein soll. Zwischen dem Zeitpunkt des tatsächlichen oder angeblichen Geschehens und dem ZeiQunkt des Ezählens liegt also ein Abstand. Ein deutlicher spmchlicher Ausdruck dieser Distanz zwischen dem Ezählten und dem Ezählen seitens des Autors ist das ImDeE feK, in dem das Ezählte als Vergangenes, Unveränderliches, Festliegendes vorgetragen wird: Es

und der Zuschauer soll Geschehendes miWollziehen, als wäre er selbst beteiligt; den Bühnenraum, der ihm über die Handlung aufgeschlossen wird, bezeichnen manche Germanisten deshalb auch als Raum der lllusion.

war einmal ...

te. Im Zentrum steht damit nicht mehr die auktoriale Ausbreitung obiektiver Wirklichkeit - die der tnditionelle Ezähler durch diese Ezählhaltung vorgibt zu vermitteln - und des in sie sinnvoll einge gliederten Einzelnen, sondern der artifizielle (künstliche) Entwurf einer potentiellen. d.h. möglichen

Gewöhnlich trägt der Ezähler nicht in erregter Ergriffenheit vor, sondern er breitet in ruhiger Gelassenheit und distanzierter Überschau die Fülle, die Eigenart und Schönheit der geschehenen Dinge aus; dies gilt vor allem für die Ezählkunst des 18. und 19. Jhdt.

Der Zweck des epischen Dichters liegt schon in jedem Punk seiner Bewegung; darum eilen wir nlcht ungeduldig zu einem Ziele, sondem verweilen uns mit Liebe beijedem Schritte. (Fr. Schiller)

nach der Bestimmung seiner Existenzfragt, nach dem, was er ist, was er sein könnte oder sein soll-

Wittlichkeit und eines potentiellen Menschen, der ihr ausgesetrt wird. So soll sich die Wirklichkeit in ihrem So-Sein verantworten vor den in der Literatur aufgedeckten Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten menschlicher Existenz, U.a. in der Kraft, Pespektiven auf utopische Daseinsformen zu öffnen, liegt der Anspruch moderner Ezählkunst.

Das Auktoriale Erzählen (auktorial: neugebildetes Adjektiv zu lat. auctor = Autor). Bezelchnung für eine Ezählstruktur - man spricht auch von Ezählhaltung, Ezählstandpunkt oder EzählperspeKive - aus der Perspektive einer allwissenden Überschau oder Sicht von oben, Der Erzähler berichtet über Innen- und Auflenwelt der Personen in der von ihm geschaffenen fiktiven (= erfundenen) Welt; dieser Er-Eaähler mischt sich - bisweibn auch in lch-Form - in das Ezählte ein, kommentiert es im Gespräch mit dem Leser oder erörtert mit ihm ezähltechnische (vgl. ,,Der äuberberg"), moralische und ähnliche Probleme, Dieser Ezähler ist im Grunde auch fiktiv, also nicht mit dem Autor identlsch (vgl. das Verhältnis von lyrischem Ich und Autor in Gedichten), aber auch kein Charakter der ezählten Geschichte; er ist - wenn man so sagen will - Herr der Lage.

Der auktoriale Ezähler erscheint in der deutschen Literatur seit etwa 1750. Die VomusseEung dieser Ezähleftradition liegt in dem Glauben an die Fähigkeit des Menschen, aus der Kraft seines schöpferischen @istes der Welt und den in ihr sichtbaren Geschehnissen einen Sinn geben oder einen ihr immanenten Sinn aufdecken zu können, der für den Leser als persönliche Erfahrung fassbar wird. Diese Sinngebung des Geschehens und ihre veftraut-veftrauliche Weitergabe an den Leser findet sich noch bis in die ezählende Dichtung der Gegenwaft hinein.

Beispiele: L n.

In den Vordergrund bitt jeEt das aufzudeckende Selbst des Menschen, der in klarcm Bewusstsein

Annette von Droste-Hülshofi, Die Judenbuche. Thomas Mann, Der äuberberg.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts vediert das auKorial-persönliche Ezählen diese VorausseEung. Die Undurchsichtigkeit und Undeutbarkeit der Geschehnisse wird als so stark, die Fnge nach ihrem Sinngehalt als so unlösbar empfunden, dass es unmoglich zu sein scheint, vom entfernten Standpunkt des auKorialen Ezählers aus einen alles verbindenden, zum Verstehen führenden Überblick zu gewinnen. Die bisher vorherrschende Intention der Ezählkunst, Wir*lichkeit unter dem Wahrheitsanspruc